
Linthal - Muttsee - Kistenpass - Brigels
Diese Wanderung ist ein echtes Highlight für alle, die die Berge in ihrer Vielfalt erleben möchten. Auf 28,2 Kilometern führt uns der vielfältige Weg vom Glarnerland stetig höher, begleitet von wechselnden Panoramen, zu gemütlichen SAC-Hütten, vorbei an kraftvollen Stauseen und einsamen Alptälern. Die Route ist anspruchsvoll und erfordert eine gute Kondition, belohnt aber mit unvergesslichen Blicken, zum Beispiel auf das Tödi-Massiv, hinab zum türkis schimmernden Limmernsee und tief ins wilde Val Frisal. Wer möchte, kann die Tour dank der Berghütten problemlos auf zwei oder mehr Tage ausdehnen – etwa mit einer Weiterwanderung zum Panixerpass. Für die Bewältigung an einem Tag gilt jedoch: Starte mit der erstmöglichen Zugverbindung in Linthal, um in Brigels sicher das letzte Postauto zurück nach Hause zu erwischen. Ein zügiges Marschtempo ist dabei ebenso ratsam wie gemütliche Pausen, um Kräfte zu sammeln und die Aussicht zu geniessen.
Eckdaten der Tour
Aufstieg
2360m
Abstieg
1723m
Distanz
28.2 km
Anfahrt
Rückfahrt
Minimalausrüstung
Die Etappen



Linthal bis Bergstation Chalchtrittli
Wer die erste Etappe von Linthal bis zur Bergstation Chalchtrittli zu Fuss in Angriff nimmt, wird mit Ruhe und Ursprünglichkeit belohnt. Da viele Wanderer die Luftseilbahn ab Tierfehd nutzen, begegnet man hier nur wenigen Gleichgesinnten. Der Umweg lohnt sich allemal: Der Pfad führt zunächst vorbei am Berggasthaus Obbort und durch dichten Wald, wo wir den Furbach überqueren. Bald wird es ernst – der Weg steigt spürbar an. Am sogenannten «Tritt» helfen in den Fels geschlagene Ketten, sich sicher über die ausgesetzte Passage zu bewegen. Mit jedem Schritt öffnet sich der Blick zurück ins Linthtal; man spürt förmlich, wie man der Ebene entwächst.
Auf der Alp Baumgarten lädt ein Abstecher zur Alphütte ein, um sich mit lokalem Glarner Bergkäse für die weiteren Kilometer zu versorgen. Nach einer kurzen, ebenen Passage über die Alpebene folgen noch einmal 1,5 Kilometer steiniger Anstieg, bis wir schliesslich die Bergstation Chalchtrittli erreichen. Das erste Etappenziel ist geschafft.



Bergstation Chalchtrittli bis Muttseehütte
Ab hier wird es geselliger, denn nun treffen wir auf die Wanderer, die mit der Seilbahn angereist sind und ebenfalls auf die Muttseehütte zusteuern. Als Alternative zum aussichtsreichen Freiluftweg steht der 2,7 Kilometer lange Zugangsstollen der Kraftwerke Linth-Limmern AG zur Verfügung. Doch Vorsicht: Von der Kraft, die man im Gang durch den Stollen spart, bracht man danach beim Aufstieg zur Hütte umso mehr.
Der «Freiluftweg» hingegen führt über das Chalchtrittli hinauf zum Nüschenentäli, wo sich das Gelände kurz beruhigt. Nach dem kräftezehrenden Aufstieg ist hier ein kleines Päuschen mehr als verdient, denn im hinteren Nüschenentäli geht es erneut bergauf. Wir queren das Muttenwändli, und obwohl die Muttseehütte schon in greifbarer Nähe scheint, sind noch einige Kehren zu bewältigen, bis wir in der Ferne die Schweizer Fahne erspähen. Nach einem leicht abfallenden Schlussstück erreichen wir endlich die Hütte und können uns bei einer herzhaften Mahlzeit stärken.



Muttseehütte bis Kistenpasshütte
Die dritte Etappe bietet die Wahl: Entweder direkt über die Muttenalp oder entlang des Muttsees über die Staumauer. Rein konditionell nehmen sich beide Varianten kaum etwas. Der Weg verläuft zunächst flach, steigt aber in der zweiten Hälfte langsam wieder an. Mit etwas Glück beobachten wir hier Gämsen, die sich zwischen den Felsen tummeln.
Die Kistenpasshütte thront gut versteckt am Hang zwischen den Felsen. Das letzte Stück vor dem Ziel wird nochmals steil – hier sind die angebrachten Ketten erneut willkommene Helfer. Oben angekommen, lädt die Terrasse der Hütte zu einer wohlverdienten Pause ein. Dass es sich hierbei um den höchsten Punkt unserer Wanderunge handelt (2725 M.ü.M), sei nur beiläufig erwähnt. Bei Kaffee und Kuchen geniesst man einen atemberaubenden Blick auf den blau leuchtenden Limmernsee und den mächtigen Bifertenstock im Hintergrund.



Abstieg Kistenpasshütte bis Brigels
Nun steht die letzte Etappe an. Für alle, die noch Reserven haben, bietet sich direkt ab der Hütte eine zusätzliche Schlaufe an: Ein blau-weiss markierter Pfad führt zum Gipfel der Muttenberge (2955 m.ü.M.), von wo aus man über den Grat wieder zur Hauptroute zurückkehrt. Wer jedoch die gesamte Tour an einem Tag meistern möchte, sollte diese Zusatzschlaufe angesichts müder Beine und knapper Zeit gut überdenken.
Daher verzichtet unsere Route auf die Zusatzschlaufe und steuert auf der rot-weiss markierten Hauptroute in Richtung Kistenpass respektive Brigels.
Kurz vor dem Kistenpass erreichen wir eine Weggabelung. Geradeaus ginge es weiter zum Pass und zur Bifertenhütte. Unser Plan sieht jedoch die Abzweigung nach links vor, direkt hinunter nach Brigels. Diese Route ist nicht nur direkter, sie führt uns auch nahe am Lag d’Artgas vorbei – eine willkommene Gelegenheit, sich bei Bedarf im eisigkalten Bergsee zu erfrischen.
Eine weitere Abzweigung würde den Weg zum Panixerpass eröffnen und die Tour verlängern. Wir bleiben jedoch unserer Route treu und wandern Richtung Brigels, begleitet von einer grandiosen Aussicht hinunter ins wilde Val Frisal. Allmählich nähern wir uns dem Skigebiet Brigels-Waltensburg-Andiast. Zwar könnte man nun einfach «der Nase nach» geradeaus laufen, doch würde dies bei der Alp Quader auf eine kurvenreiche Asphaltstrasse führen. Daher schwenken wir bei der nächstmöglichen Abzweigung rechts in einen Zickzack-Pfad hinunter zur Via Val Frisal. Im Tal angekommen, geleitet uns dieser Weg sanft durch die Talschaft; wir folgen dem Bach Flem, bis wir unser Ziel in Brigels erreichen. Hier endet die Tour – mit müden Beinen, aber frohem Geist.